
2003 wurde ich von drei ausländischen Mitbürgern überfallen. Drei Messerstiche galten meinem linken Auge, zum Glück trafen sie Gesicht und Kopf und nicht mein Auge. Bis dahin machte ich sehr viel Musik. Nach diesem Ereignis veränderte sich meine Musik und wurde zu einer Art Klangtagebuch, das ich damals über MySpace veröffentlichte. Obwohl ich mehrere Plattenvertragsangebote bekam, machte mir die plötzliche Aufmerksamkeit eher Angst. Ich wollte mein persönliches Klangtagebuch nicht mehr öffentlich machen und auch kein Geld damit verdienen. Stattdessen begann ich, deutlich mehr zu fotografieren: festzuhalten, was ich beinahe nicht mehr hätte sehen können. Ab 2006 arbeitete ich mit dem MUT! Theater Hamburg zusammen. Der Intendant und ein weiterer Mensch, die sich mir als gute Freunde vorgestellt hatten, brachten mich zunehmend zur Film- und Videografie. Ich eignete mir alles autodidaktisch an und führe diese Arbeit bis heute fort. Ich habe Kurz- und Dokumentarfilme sowie hunderte Konzerte und Veranstaltungen aufgezeichnet und dabei über die Jahre sehr viel gelernt. Über viele Jahre wurde ich in Publikationen des MUT! Theaters als verantwortlicher Fotograf und Videograf des Hauses genannt. Eine Festanstellung wurde mir zudem immer wieder in Aussicht gestellt, kam aber nie zustande. 2022 wurde die Zusammenarbeit völlig unerwartet beendet. Im selben Jahr wurde mir zunehmend bewusst, dass der Intendant und der genannte „Freund“ politischen Gruppen bzw. einer politischen Richtung nahestehen, die ich in keiner Weise unterstützen möchte. Ob dieser Umstand mit dem Ende der Zusammenarbeit zusammenhängt? Möglicherweise. Ich kann nur sagen, dass ich mich von dieser politischen Richtung ausdrücklich distanziere. Trotz meiner langjährigen Arbeit werde ich inzwischen von einem Gericht und einem Gutachten als „Hobbymusiker“ dargestellt, als jemand, der für seine eigene Musik lediglich viele Festplatten benötigt. Meine jahrelange Arbeit als Fotograf und Videograf wird dabei als „Hobby“ bezeichnet und überhaupt nicht erwähnt. Deshalb habe ich beschlossen, mein Archiv transparenter zu machen und einige meiner Arbeiten zu veröffentlichen. Meine Playlist „9,999 %“ enthält weniger als zehn Prozent dessen, was ich über die Jahre aufgezeichnet habe. Vielleicht zeigen diese Arbeiten besser als jede Bezeichnung, was ich tatsächlich gemacht habe und ob „Hobbymusiker“ dafür wirklich die passende Beschreibung ist.