
Theo Adam (geboren am 1. August 1926 in Dresden, gestorben am 10. Januar 2019 ebenda) war ein Ausnahmesänger, der über viele Jahrzehnte (mehr als ein halbes Jahrhundert lang) in Oper, Konzert und Lied Außergewöhnliches leistete. Seine Heimathäfen waren dabei das Opernhaus seiner Geburtsstadt Dresden, wo er am ersten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1949 als Eremit im "Freischütz" debütierte (der Rolle, in der er auch am 13. Februar 1985 auf der Bühne der wiedereröffneten Semperoper stand und mit der er 2006, wenige Monate nach Vollendung seines 80. Lebensjahres, seine aktive Sängerlaufbahn beendete), und die Staatsoper Berlin, deren Solistenensemble er mehr als dreieinhalb Jahrzehnte lang er angehörte. Aber auch an allen großen Bühnen der Welt wie der Wiener Staatsoper und der MET in New York sang er ebenso regelmäßig wie bei den Bayreuther und Salzburger Festspielen und in allen großen Konzertsälen der Welt. Sein Repertoire reichte vom Barock (so sang der auch in seiner Hochzeit neben Mozart, Wagner und Verdi auch selbstverständlich Händel oder eine Oper von Reinhard Keiser) bis zu Richard Strauss und der Moderne, von tiefen Basspartien bis hin zu Baritonpartien. Gibt es irgendeinen anderen namhaften Sänger, der sowohl den Jochanaan als auch den Ochs gesungen hat, und das auch noch parallel? Mozart sang er häufig in den da-Ponte-Opern: Figaro und Graf, Komtur, Leporello und Don Giovanni sowie Don Alfonso, daneben Beethoven (Minister, Rocco und Pizarro), Wagner (Holländer, Landgraf, Heinrich, Marke, Pogner und Sachs, Fasolt, Hunding und die drei Wotans-Partien, Amfortas wie Gurnemanz), Verdi (v.a. König Philipp), Mussorgski (Boris), Tschaikowski (Gremin), Puccini (Scarpia), Strauss (Jochanaan, Orest, Ochs, Musiklehrer, Barak, Morosus, La Roche), Berg (Wozzeck, Dr. Schön, Schigolch) und zeitgenössische Komponisten wie Paul Dessau (Einstein) und Friedrich Cerha (Baal). Auch im Konzert- und Liedbereich war sein Repertoire nahezu unbegrenzt - dokumentiert durch zahlreiche Aufnahmen. Unforciert könnte er seine edle Stimme sanft und weich wie ein Cello strömen lassen, forciert gewann sie genau den dramatischen Aplomb, der für das Heldenbaritonfach wie z.B. Wotan erforderlich ist. Noch im 73. Lebensjahr sang er im oberösterreichischen Wels den König Marke, im 75. Lebensjahr an der Komischen Oper Berlin einen eindrucksvollen Pimen. Einer der wenigen "Jahrhundertsänger"! Daneben inszenierte er auch, u.a. Die Hochzeit des Figaro", "Eugen Onegin", "Capriccio" und "Lohengrin" an der Deutschen Staatsoper Berlin nebst einer Trilogie aus Telemanns Schulmeister-Kantate, Bachs Kaffee-Kantate (hier in dieser Playlist zu sehen) und Schuberts Einakter "Der vierjährige Posten" im Apollo-Saal der Berliner Staatsoper, außerdem "Parsifal" in Dresden.