
Kammersänger Siegfried Vogel (geboren am 6. März 1937 in Chemnitz) war einer der packendsten und gestaltungsintensivsten Bassisten der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, verfügte zudem über ein sonniges Timbre. Sein Repertoire war zudem ungemein vielseitig und seine Wandlungsfähigkeit auf der Bühne enorm. Zu seinen wichtigsten Rollen gehörten der Ptolemäus in Händels "Julius Cäsar", von Mozart Figaro, Leporello, Don Giovanni, Don Alfonso und Sarastro, Rocco in Beethovens "Fidelio", Kaspar in Webers "Freischütz", Mephisto (bei Schumann, Berlioz und Gounod), von Wagner Colonna, Daland, Landgraf, König Heinrich, König Marke, Veit Pogner, Hans Sachs, Wotan, Fasolt, Fafner, Hunding und Gurnemanz, von Verdi Sparafucile, Großinquisitor, Ramphis und Lodovico, von Richard Strauss Baron Ochs auf Lerchenau, Truffaldin, Geisterbote, Graf Waldner, Morosus, Peneios und La Roche, dazu Don Basilio, Raimondo, Colline und Timur, Kezal, Boris Godunow, Fürst Gremin und Zar Saltan, außerdem zahlreiche zeitgenössische Partien, u.a. die Titelpartie in Paul Dessaus "Lanzelot" und den Lanny Swartz in E.-H. Meyers Oper "Reiter der Nacht". Siegfried Vogel studierte Gesang bei Johannes Kemter in Dresden und sang ab 1959 an der Staatsoper Dresden, wo er im Studio begann und schon bald reguläres Ensemblemitglied wurde. 1965 debütierte der Bass als Leporello an der Deutschen Staatsoper Berlin, deren Ensemble er von 1966 bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden im Jahre 2002 angehörte. Dort sang er ein Repertoire von Händel bis zur Moderne mit Schwerpunkt auf den großen Rollen des deutschen Repertoires, aber auch Konzerte und Liederabende. Seine letzte Berliner Rolle war 2004 Arnold Schönbergs Moses, mit dem er auch am Japan-Gastspiel teilnahm. Während seiner jahrelangen Berliner Festverpflichtung gastierte er an nahezu allen großen Opernhäusern der Welt. Allein an der Wiener Staatsoper sang er 13 Partien, darunter Gurnemanz, Landgraf, König Heinrich, Kaspar, Sarastro, Ochs, La Roche und Sir Morosus als Premierenbesetzung (neben Edita Gruberova als Aminta), aber auch - ebenfalls neben Gruberova - den Raimondo in "Lucia die Lammermoor". Vogel sang auch u.a. in München (u.a. Sarastro in der Everding-Inszenierung), Hamburg, London, Paris, Japan, an der MET und am Opernhaus von Washington D.C. (Gurnemanz neben Plácido Domingo) sowie bei den Salzburger und Bayreuther Festspielen. Sein König Heinrich in der Bayreuther Inszenierung von Götz Friedrich wurde 1982 offiziell aufgezeichnet und produziert. Während der Zeit seiner Ensemblezugehörigkeit zur Berliner Staatsoper war er zugleich ein wichtiger Protagonist an der Komischen Oper Berlin, war u.a. Walter Felsensteins Harry Janos und Escamillo, Harry Kupfers Hans Sachs, Boris Godunow und vierfacher Bösewicht in "Hoffmanns Erzählungen" sowie der Colonna und Sir Morosus von Christine Mielitz. Auch in Dresden sang er über Jahrzehnte als ständiger Gast seine großen Fachpartien (Premieren u.a. als Gurnemanz, Sarastro, Waldner, Landgraf und Don Alfonso, dazu Wesener in "Die Soldaten" von B. A. Zimmermann). In zahlreichen offiziellen Einspielungen ist Siegfried Vogels Stimme zu hören. Seine Welt war dennoch die Bühne.